Presseerklärung vom 20. August 2018 (Download als .pdf)

Bundesweit aktive Altenpflegeeinrichtung „Mathilde-Zimmer-Stiftung“ am Scheideweg: Für oder gegen gewerkschaftliche Organisierung?

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit der Bitte um Veröffentlichung übersenden wir ihnen folgende Presseerklärung.

Kritische Äußerungen des Kollegen Harald Stubbe über die Arbeitsbedingungen im „Tatjana-Gerdes-Haus“ führen zu einstweiliger Verfügung und Klageandrohung gegen den Kollegen. Er wird beschuldigt Aufkleber verteilt, und sich bei Facebook kritisch über die Arbeitsbedingungen geäußert zu haben. Die Einrichtung gehört zur „Mathilde-Zimmer-Stiftung“ mit 5 Einrichtungen in Berlin, Hamburg, Kassel, Bad Homburg und Neuenhagen.

Zum Kontext: Harald Stubbe arbeitet seit ca. 3 Jahren in der Altenpflege. Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind durchgehend gesundheitsschädlich für Kolleg*innen[1]. Bereits bei „den Pflegeexperten“ in Frankfurt am Main versucht er sich gewerkschaftlich zu organisieren[2]. Allerdings kommt ihm der Arbeitgeber bei der Gründung eines Betriebsrates dazwischen. Siehe: Nun scheint sich eine ähnliche Situation zu wiederholen. Harald wird aktiv, tauscht sich mit Kolleg*innen aus und wird dafür mit Anschuldigungen und einer einstweiligen Verfügung belegt.

IWW Sprecherin Levke Asyr dazu: „Ich bin fassungslos und empört über diesen Angriff auf den Kollegen. Wie viele Kolleginnen und Kollegen setzt er täglich seine eigene Gesundheit auf’s Spiel um unter potenziell gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen unsere Eltern und Angehörigen zu pflegen.“

Sprecher Lennart Behrens ergänzt: „Sich mit Kolleg*innen auszutauschen und gewerkschaftlich zu organisieren ist die Voraussetzung für gute Pflegebedingungen für alle – und ein Grundrecht. Wenn das von der Mathilde-Zimmer-Stiftung scheinbar behindert wird, frage ich mich: Wohin will Mathilde?“

Die Industrial Workers of the World im deutschsprachigen Raum fordern deshalb drei Dinge:

  1. Sofortige Rücknahme der einstweiligen Verfügung gegen Harald Stubbe und jegliche Klageverfahren auch gegen die IWW.
  2. Die Möglichkeit für alle Kolleginnen und Kollegen ihre Meinungen über die Arbeitsbedingungen öffentlich kundtun zu können.
  3. Schluss mit der Einschüchterung von Kolleg*innen.

Um diese Forderungen vorzutragen wird es am Samstag, den 25.08.2018 um 11 Uhr am Waisenhausplatz in 61348 Bad Homburg eine Demonstration geben.

Die Bedingungen bei der Mathilde-Zimmer-Stiftung sind kein Einzelfall. Sie sind Teil einer gesellschaftlichen Situation in der es weniger um die Menschen, als um die Profite von Unternehmen geht. Gemeinsam mit anderen Gewerkschaften und Initiativen wie dem Netzwerk Care Revolution strebt die weltweite Basisgewerkschaft Industrial Workers of the World eine solidarische Bewegung an, die sich diesen Entwicklungen entgegen stellt.

Ein Angriff auf Eine*n ist ein Angriff auf Alle.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen unsere Ansprechpartner*innen gerne zur Verfügung:

Levke Asyr und Lennart Behrens
Email: wilde-mathilde@wobblies.org
Website https://wohin-will-mathilde.wobblies.org

Mit solidarischen Grüßen
Levke Asyr & Lennart Behrens

[1] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Ambulante-Pflege-am-Limit-Wo-hakt-es-und-warum,pflege808.html

[2] http://www.labournet.de/interventionen/solidaritaet/die-pflegeexperten-kuendigung-des-iww-kollegen-harald-stubbe-nach-engagement-gegen-erschreckende-arbeitsbedingungen-in-der-mobilen-pflege/